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Zöliakie und...

Zöliakie geht oft mit verschiedenen Begleiterkrankungen einher. An erster Stelle ist hier der Diabetes Typ 1 zu nennen, vor der Diagnose und in der ersten Zeit nach der Diagnose kann bei Zöliakiebetroffenen auch eine sekundäre Laktoseintoleranz auftreten. Die entzündliche Hauerkrankung Dermatitis Herpetiformis Duhring (DH) ist die sogenannte Hautmanifestation der Zöliakie. In dieser Rubrik finden Sie Informationen zu den häufigsten Begleiterkrankungen und zu wichtigen Themen rund um Zöliakie.

Zöliakie und Typ 1 Diabetes treten oft gemeinsam auf.

Zöliakiebetroffene sind häufig von Autoimmunerkrankungen betroffen. An erster Stelle ist hier der Diabetes Typ 1 zu nennen. Diese Krankheit tritt bei 3 bis 6% der Zöliakiebetroffenen auf, umgekehrt liegt die Häufigkeit der Zöliakie bei Diabetikern je nach Alter der Patienten zwischen 3 und 8%. Menschen, bei denen eine Zöliakie nicht rechzeitig diagnostiziert wurde und deren Ernährung lange Zeit glutenhaltige Produkte enthielt, weisen ein sehr hohes Risiko auf, an Diabetes zu erkranken. Ferner wurde beobachtet, dass Zöliakie häufig bei Verwandten ersten Grades eines Diabetikers auftritt. Das gemeinsame Auftreten der beiden Erkrankungen wird anscheinend durch eine gemeinsame genetische Prädisposition verursacht, denn sowohl bei Diabetes, als auch bei Zöliakie lässt sich eine erhöhte Frequenz der so genannten Histokompatibilitätsgene HLA DQ2 und HLA DQ8 feststellen. Außerdem wurden bei Typ 1 Diabetikern und auch bei Zöliakiepatienten erhöhte Zonulinspiegel nachgewiesen. Zonulin ist ein Protein, das die Darmdurchlässigkeit auf Ebene des Dünndarms regelt.
In den meisten Fällen (ca. 90%) wird zuerst der Typ 1 Diabetes diagnostiziert, was wahrscheinlich auf die geringe Symptomatik bei Zöliakie bei den betroffenen Patienten im Kindes- und Jugendalter zurückzuführen ist.
Wegen der häufigen Assoziation der beiden Pathologien sollten alle Typ 1 Diabetiker durch Bestimmung der Gewebstransglutaminase Antikörper (tTG-IgA Antikörper) einem Zöliakiescreening unterzogen werden. Das Screening sollte wie folgt durchgeführt werden:
zum Zeitpunkt der Diabetesdiagnose
drei Jahre lang ein Mal jährlich
im fünften Diabetesjahr
bei verdächtigen Symptomen

Um beide Krankheiten zu behandeln, muss eine strenge glutenfreie, aber nicht völlig einschränkende Ernährung eingehalten werden. Diabetikern, ganz egal ob mit oder ohne Zöliakie, empfiehlt sich heute eine „normale“ ausgewogene Ernährung im Hinblick auf Gesamtkalorien, Proteine, Kohlenhydrate und Fett. Die Behandlung der Zöliakie hat auch positive Auswirkungen auf den Diabetes, da der Stoffwechsel besser kontrolliert wird und eventuell auch der Insulinbedarf gesenkt werden kann.

Eine Folge der Zottenatrophie kann die Laktoseintoleranz sein

Vor der Diagnose und in der ersten Zeit nach der Diagnose kann bei Zöliakiebetroffenen auch eine sekundäre Laktoseintoleranz auftreten. Im akuten Zustand wird nämlich das Disaccharid Laktose aufgrund des sekundären Laktasemangels (als Folge der Zottenatrophie) nicht mehr vollständig hydrolisiert und absorbiert.
Die Symptome treten nicht grundsätzlich bei allen Personen mit einem Defizit an Laktase auf, wenn sie laktosehaltige Produkte konsumieren. Dies hängt von der Ausprägung des Laktasemangels ab, welcher von Person zu Person stark differieren kann.
In manchen Fällen kann die Unverträglichkeit gegenüber Laktose aber nach Beginn der glutenfreien Ernährung und Normalisierung der Dünndarmschleimhaut immer noch vorhanden sein. Dies ist auf einen genetischen Enzymmangel zurückzuführen, der generell bei der südeuropäischen Bevölkerung äußerst häufig auftritt, nicht jedoch durch Zöliakie ausgelöst wird.

Zusammenhang zwischen Stilldauer und Zöliakierisiko

Zöliakie ist eine komplexe Pathologie, deren Ursachen im Zusammenspiel verschiedener genetischer, immunologischer und exogener Faktoren liegen. Als exogener Faktor wird unter anderem auch die Ernährung im Säuglingsalter diskutiert. Diverse Studien zeigen eine Assoziation zwischen der Dauer des Stillens und einem verminderten Risiko, an Zöliakie zu erkranken. Aufgrund der Ergebnisse dieser Studien lässt sich vermuten, dass der ideale Zeitpunkt, Gluten in die Nahrung einzuführen, zwischen der 17. Woche und dem vollendeten 7. Lebensmonat liegt. Außerdem scheint es einen protektiven Effekt zu haben, wenn die eingeführten Glutenmengen sehr gering sind und wenn bei Einführung von Gluten noch mindestens zwei Monate weiter gestillt wird.
Es ist jedoch noch nicht eindeutig geklärt, ob dies den Ausbruch der Zöliakie wirklich verhindern kann oder ob der Ausbruch der Krankheit nur verzögert wird.
Zur Zeit läuft eine europaweite Interventionsstudie „Prevent CD“, um die Beziehung zwischen frühkindlicher Ernährung und Zöliakieentwicklung zu klären. Insgesamt beträgt die Studiendauer 3 Jahre.

Die Hautmanifestation der Zöliakie

Die Dermatitis Herpetiformis Duhring (DH) ist die sogenannte Hautmanifestation der Zöliakie und tritt als entzündliche Hauterkrankung in Erscheinung. Die Krankheit wurde estmals 1884 als klinische Entität, also als ein Komplex mehrerer Symptome beschrieben und wurde als solche nach dem Entdecker L.A. Duhring benannt. Charakteristisch sind stark juckende Papeln auf der Haut, die meist eine Rotfärbung aufweisen. Bei 90% der Patienten zeigt sich dieser Hautauschlag an Ellbogen und Unterarmen. Andere häufig befallene Stellen sind das Gesäß und die Vorderseite der Knie. Der Ausschlag ist mit einem starken Juckreiz verbunden, deshalb kratzen sich die Betroffenen oft auf und es bleibt ein Wundschorf zurück.
Die DH kommt praktisch nur bei Menschen mit heller Haut vor, und ihre Inzidenz liegt bei rund 1:10.000.
Durch Zufall entdeckte man 1940 eine erste erfolgreiche medikamentöse Behandlung. Dass es auch einen Zusammenhang mit Zöliakie gibt, stellte man erst Ende der 60er Jahre fest. Sowohl die DH als auch die Zöliakie haben denselben genetischen Hintergrund und werden durch die Aufnahme von Gluten verursacht. Untersuchungen haben gezeigt, dass bei beiden Erkrankungen dieselben Gene involviert sind. Unser Körper verfügt über sogenannte HLA-Antigene, welche die Immunreaktion steuern. Sie sind vererbt und miteinander verbunden. Bei einer DH oder Zöliakie liegen die HLA- Genotypen DR3-DQ2 und DR3-DQ8 vor. Diese Antigene sind Vorraussetzung, um eine DH oder Zöliakie zu entwickeln. In Familienstudien wurde festgestellt, dass Familienangehörige von DH-Betroffenen oft auch eine DH entwickeln oder an Zöliakie leiden.
Wird also bei einem Patienten DH diagnostiziert, geht diese auch automatisch mit einer Zöliakie einher, umgekehrt ist dies jedoch nicht zwangsläufig der Fall. Bei vielen DH-Patienten ist die Zöliakie jedoch nur schwach ausgeprägt und wird meist gar nicht bemerkt, bis der Patient den Hautausschlag entwickelt.
Diagnostiziert wird die DH mittels eines Hauttests und der Zöliakie-Antikörperdiagnostik sowie einer Dünndarmbiopsie.
Wie bei Zöliakie stellt eine streng glutenfreie Ernährung die einzige effektive Behandlung der DH dar. Bei den meisten Patienten dauert es jedoch sehr lange, bis eine glutenfreie Ernährung die Symptome der DH zum Verschwinden bringt. Deshalb ist in der Zwischenzeit eine medikamentöse Behandlung erforderlich. Durch die Verabreichung der Medikamente verschwindet der Hautausschlag innerhalb einer Woche. Doch nur eine streng glutenfreie Ernährung lässt den Hautausschlag auch langfristig verschwinden. Bis die Medikamentendosis allerdings reduziert werden kann, dauert es etwa sechs bis acht Monate, nach zwei Jahren können die Medikamente meist ganz abgesetzt werden.

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