Ihre Berichte
Umgang mit pädiatrischen Diabetes-Zöliakie-Patienten im Sommerlager

Chiara Chizzola
Ernährungsberaterin im Dienst für Diätetik und klinische Ernährung, Krankenhaus Santa Chiara, Trient, ITALIEN
Seit neun Jahren arbeite ich beim Dienst für Diätetik und klinische Ernährung des Krankenhauses Santa Chiara in Trient. Davor war ich vier Jahre lang freiberuflich tätig und habe als Diätassistentin beim Dienst für Diät und Ernährung des Allgemeinen Krankenhauses Brescia gearbeitet. Im Krankenhaus Trient erbringe ich auch Beratungstätigkeiten für den Fachdienst für pädiatrische Diabetologie, der zur Operativen Einheit Pädiatrie gehört und sich vorrangig um Kinder und Jugendliche kümmert, die Typ-1-Diabetes und Diabetes Typ 1 in Verbindung mit Zöliakie haben.
Für diese Kinder organisiert der Fachdienst Kinderdiabetes der Provinz in Zusammenarbeit mit der Vereinigung Juveniler Diabetes der Provinz Trient jedes Jahr so genannte Schulcamps in Form fünftägiger Aufenthalte mit folgenden Zielsetzungen:
- Förderung zum selbstverantwortlichen Umgang mit Diabetes in geschützter Umgebung
- Ermunterung zur Unabhängigkeit im Umgang mit Diabetes
- Unterstützung bei der Auseinandersetzung mit den eigenen Problemen im Kontakt mit Gleichaltrigen
- Entwicklung von Selbstachtung, Verantwortungsbewusstsein, emotionaler Kontrolle und Überwindung von Gefühlen der Isolation und des Andersseins der Teilnehmer
- Weiterbildung, berufliche Bereicherung und die Konsolidierung des Kinderdiabetesteams.

Seit 1998 wirke ich in der Organisation und Leitung dieser Schulcamps in Bezug auf alle ernährungstechnischen Aspekte mit. In den letzten Jahren, genauer gesagt seit Sommer 2003, veranstalten wir unsere Camps in Cesenatico, einem Badeort an der Adria. Das uns zur Verfügung stehende Ferienlager ist eine freundliche Struktur, die 25 bis 30 Kindern im Alter von zwei bis zehn Jahren und 25 bis 30 Jugendlichen im Alter von elf bis achtzehn Jahren Platz bietet. In beiden Gruppen haben wir jeweils zwei bis vier Diabetes-Zöliakie-Patienten. Bei Kindern unter acht Jahren ist die Anwesenheit und Aufsicht der Eltern erforderlich, während die über Achtjährigen ausschließlich von einem Team betreut werden, das aus einem Kinderdiabetologen, zwei Fachkrankenpflegern, fünf bis sechs Krankenpflegern in Ausbildung, einem Psychopädagogen, einem Animateur und einer Diätassistentin besteht. Diese Gruppe ist dafür verantwortlich, die Buben und Mädchen rund um die Uhr zu betreuen und zu beaufsichtigen. und kümmert sich um die Organisation und Durchführung aller Schulungsaktivitäten. Die täglichen Aktivitäten der Schulcamps sind sowohl praktischer als auch theoretischer Natur. Einerseits versuchen wir, den Teilnehmern Grundkenntnisse der Diabetesbehandlung zu vermitteln, wofür wir einfache, stets altersgerechte didaktische Mittel verwenden, die auf Spiel und Interaktivität basieren. Andererseits gehen die Kinder und Jugendlichen ihren Hobbys nach, treiben Sport oder nehmen an Ausflügen teil. Dadurch wird ihnen gezeigt, dass all diese Aktivitäten durchaus mit Diabetes zu vereinbaren sind.
Als Diätassistentin kümmere ich mich persönlich um alle ernährungstechnischen Belange. Meine Hauptaufgabe ist die Erstellung der Speisepläne, die auf Grundlage der Hauptpathologie, d. h. Diabetes, ausgearbeitet werden, wobei variabel Gerichte und Produkte eingesetzt werden, die mit assoziierten Krankheitsbildern bzw. Bedürfnissen vereinbar sind, beispielsweise glutenfreie für zöliakiebetroffene Diabetiker. Die Menüs werden je nach Kalorien- und Nährstoffbedarf der diversen Altersklassen erstellt: Ca. 1200 kcal für Zweijährige, die nur mäßig Bewegung machen; ca. 1630 kcal für Kinder bis sechs Jahre; ca. 1940 kcal für Kinder bis zehn Jahre; und schließlich ca. 2450 kcal für Jugendliche, die sich sieben bis zehn Stunden am Tag körperlich intensiv betätigen.
Am Speiseplan stehen ein komplettes Frühstück und ein komplettes Mittagessen. Am Vormittag gibt es eine Zwischenmahlzeit mit Obst, die Jause am Nachmittag besteht aus Obst oder Naturjogurt für die Kleinen bzw. einem belegten Brot für die Größeren. Zum Abendessen sind üblicherweise ein warmes Nudelgericht mit einer feinen Sauce, eine Dreifachportion Gemüse, Brot und Obst vorgesehen. Zwei Mal pro Woche wird anstatt Brot und Obst eine süße Nachspeise gereicht: Für die zöliakiebetroffenen diabetischen Kinder bzw. Jugendlichen wird diese Nachspeise eigens mit glutenfreien Produkten zubereitet oder man greift auf ein glutenfreies Fertigprodukt zurück. Die Speisen werden nach Messung des Blutzuckerspiegels und Insulinverabreichung serviert.
Um jedwede Kreuzkontaminationsmöglichkeit auszuschließen, bekommen die zöliakiebetroffenen diabetischen Kinder bzw. Jugendlichen als Erste zu essen. Meine Verantwortung erstreckt sich hier auch auf die Kontrolle der Zubereitung der Speisen für diese Patienten, um darauf zu achten, dass alle Hygienerichtlinien eingehalten werden. In der Zubereitungsphase ist äußerste Sorgfalt geboten, d.h. auf Sauberkeit und Hygiene zu achten. Hände, mit Mehl oder Bröseln verschmutzte Flächen, Schneidebretter, sowie Geschirr und Küchengerät, das für die Zubereitung anderer Gerichte verwendet wird, ist sorgfältig zu waschen; außerdem dürfen glutenhaltige Mehle nicht in kalte oder gekochte Saucen gelangen, das gleichzeitige Garen von Zubereitungen mit und ohne Gluten ist zu vermeiden.
Während des fünftägigen Aufenthalts gehen die Kinder und Jugendlichen bei Sport und Spiel einer regelmäßigen körperlichen Betätigung nach und halten eine gesunde und sichere Ernährungsweise ein, dank der die vor dem Beginn des Camps vorgeschriebene Insulintherapie schrittweise herabgesetzt werden kann. Parallel dazu spielen die didaktischen Aktivitäten der Fachärzte, Krankenpfleger und Psychopädagogen der Erziehungsteams eine überaus wichtige Rolle, da sie es den Kindern ermöglichen, erste wichtige Erkenntnisse ihrer diätetischen Anforderungen zu entwickeln und den Jugendlichen umfassende Informationen zur Planung der Speisen auf Grundlage der Rolle von Kohlehydraten, Fetten, Proteinen, Vitaminen, Spurenelementen, Wasser und Ballaststoffen bereitstellen. Mit den Größeren werden auch komplexere Themen erarbeitet, von der Bedeutung des Idealgewichts bis hin zur Blutzuckerkorrektur bei Unterzuckerung und anderes mehr.
In der Gesamtheit der Tätigkeiten ist das Sommerlager eine extrem wichtige Aktivität. Nach meiner Erfahrung handelt es sich um einen grundlegenden, unersetzlichen Moment im Erziehungsprozess der Diabetespatienten bzw. der diabetischen Zöliakiepatienten, aber auch um eine ebenso wichtige Chance zur Befähigung und für den Zusammenhalt des medizinischen Betreuungsteams. Eine einzigartige Gelegenheit, um mit den Patienten gemeinsam eine schöne Erfahrung zu erleben, die reich ist an Aktivitäten und nützlichen Anregungen für deren persönliche Entwicklung.











